Online-Ringvorlesung: #Nachhaltigkeit

Wie können wir angesichts der Klimakrise verantwortungsbewusst und frei handeln? Was müssen wir ändern, um mitten im Klimawandel Handlungsspielräume für Transformationsprozesse zu nutzen, ohne uns von Zukunftsängsten lähmen zu lassen? Mit diesen Fragen setzte sich am 29. April in Köln zum Auftakt der HMKW-Ringvorlesung die Psychologin Prof. Dr. Kathrin Rothenberg-Elder auseinander.

Die Ringvorlesung der HMKW zum Thema „#Nachhaltigkeit – Transformation in Medien, Kommunikation und Wirtschaft“ startete in diesem Sommersemester erstmals als Online-Veranstaltung. Mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten mit Hilfe des Videokonferenzsystems Zoom den Vortrag einer engagierten Streiterin für einen kritischen, aber nie resignativen Umgang mit der Klimakrise. Kathrin Rothenberg-Elder  plädierte dafür, mit Normen und Konventionen zu brechen, um ein bewusstes Leben zu führen, das nicht zu Lasten von Umwelt und Natur gehen dürfe. Die Studiendekanin für Angewandte Psychologie der Diploma Hochschule nannte mangelhaftes Erkennen und das Verdrängen von Krisen-Symptomen als Ursachen für die Erderwärmung. Eine als mangelhaft empfundene Kompetenz und unklare Verantwortlichkeiten hätten dazu geführt, dass jahrzehntelang fast nichts gegen den von Menschen verursachten Klimawandel unternommen worden sei.
 


„Es gibt produktive Reaktionsmöglichkeiten“, munterte die Expertin dazu auf, sich nicht mit dem bedrohlichen Status quo abzufinden. Menschen müssten Verantwortung übernehmen, den Begriff Wohlstand jenseits von Konsum und Kommerz neu definieren und zu mutigen Trendsettern werden, die jenseits des Mainstreams Neues wagen. „Wir dürfen dazulernen“, lautete Kathrin Rothenberg-Elders kategorischer Imperativ. „Verbinden Sie Spaß mit Veränderung und Widerstand“, empfahl sie den HMKW-Studierenden. Wer etwas verändern wolle, benötige positive Narrative, wirksame Bündnisse, aber auch Phasen der Entspannung. Wichtig seien außerdem Gefühle wie Selbstwirksamkeit, Selbstfürsorge und Liebe, um den Horizont zu erweitern und Beziehungen aufzubauen. „Bei Angst passiert das Gegenteil“, warnte die Psychologin vor Schockstarre.

Zukunftskunst statt Zukunftsangst

Im Anschluss an den Vortrag stand schnell auch die sogenannte Corona-Krise im Mittelpunkt der Diskussion. Bei der Frage, warum das Virus deutlich schneller zur Verhaltensänderung geführt habe als die Klimakrise, wies Kathrin Rothenberg-Elders auf die unmittelbar sichtbaren Folgen der Pandemie hin, die vielen Menschen auch ganz unmittelbar begegnen könnten. Aus der aktuellen Lage lasse sich viel lernen, zum Beispiel in Bezug auf den sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Es könne nach der Krise aber auch wieder zu Rebound-Effekten kommen, wenn Energieeinsparungen und Effizienzsteigerungen nur von kurzer Dauer seien und anschließend vieles nachgeholt werde. Das zu verhindern, sei Aufgabe aller, betonte die Psychologie-Professorin und machte klar: „Wir sind Politik.“ Nun gehe es darum, diese Rolle und Verantwortung auch wahrzunehmen. Transformation bedeute eben immer auch Zukunftskunst, verwies die Referentin auf einen von Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut) geprägten Begriff für die Kunst des gesellschaftlichen Wandels.

Die Präsentation von Prof. Dr. Kathrin Rothenberg-Elder steht hier zum Download bereit.

 

Die interdisziplinäre Online-Ringvorlesung der HMKW in Köln wird fortgesetzt. Nächster Gast ist am Mittwoch, 27. Mai, Sigrun Rottmann. Sie hält einen Vortrag über „Konfliktsensitiven Journalismus“. Sigrun Rottmann ist freie Journalistin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik der TU Dortmund.