Köln: Interviews mit den Medienstipendiatinnen

Seit vielen Jahren vergibt die HMKW jedes Semester zwei Medienstipendien, als Auszeichnung für herausragende Medienproduktionen, die für gemeinnützige Kooperationspartner entwickelt werden. Zum Wintersemester 2015/16 wurden sogar vier Stipendien ausgelobt - zwei für Bachelor- und zwei für Master-Studienanfänger/innen.

Während die beiden Master-Medienstipendien an die Berliner Studentinnen Justin Reichelt und Paula Lou Riebschläger vergeben wurden, durften sich unter den Bachelor-Erstsemestern zwei Kölner Kandidatinnen freuen: die beiden 18-Jährigen Julia Bettermann aus dem Studiengang B.A. Medien- und Wirtschaftspsychologie und Giulia Pieper aus dem Studiengang B.A. Grafikdesign und Visuelle Kommunikation. Sie beide hatten für den Kooperationspartner Deutsche AIDS-Stiftung die Aufgabe 1: Gegen Tabus bearbeitet und die Jury mit ihren Konzepten überzeugt. Ziel war es, in einem etwa 1-minütigen Videoclip junge Menschen zielgruppengerecht für das Thema HIV/AIDS zu sensibilisieren. Der Videoclip sollte das "Potenzial zur viralen Verbreitung auf Youtube" mitbringen und gegebenenfalls von weiteren Marketingmaßnahmen begleitet werden.

 

Was die beiden Medienstipendium-Gewinnerinnen zur Teilnahme motiviert hat, was besonders herausfordernd war und wie es jetzt weitergeht, erfahren Sie in den Interviews mit Julia Bettermann und Giulia Pieper.

 

Interview mit J. Bettermann:

Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des HMKW-Medienstipendiums, Frau Bettermann!

Es ist nun schon etwas länger her, dass Sie davon erfahren haben – können Sie sich noch erinnern, was Sie in dem Moment gefühlt haben, als Ihr Wettbewerbsbeitrag plötzlich eingeblendet wurde und Sie als Gewinnerin nach vorne gebeten wurden?

Ich war ziemlich überrascht – positiv natürlich. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass die Gewinner erst auf der Immatrikulationsfeier bekanntgegeben würden, daher war ich überhaupt nicht darauf eingestellt – und habe mich umso mehr gefreut. Als ich vor dem Publikum stand, war ich ein bisschen „geflashed“ und deshalb froh, dass niemand eine vorbereitete Dankesrede erwartete!



Wie haben Sie von dem HMKW-Medienstipendium erfahren und was hat Sie zur Teilnahme veranlasst?

Von dem Medienstipendium habe ich auf der Website erfahren. Ich wusste schon lange, dass ich an der HMKW studieren darf und will, daher musste ich mich in der Phase zwischen Schule und Studium nicht noch mit anderen Bewerbungen beschäftigen – und hatte somit Zeit, am Wettbewerb um das Medienstipendium teilzunehmen.


Sie haben sich für die Aufgabe entschieden, für die Deutsche AIDS-Stiftung ein Video zu produzieren. Was war die besondere Herausforderung für Sie bei dieser Aufgabe?

Ich hatte vorher noch nie ein YouTube-Video gedreht, das war komplettes Neuland für mich. Ich musste den Clip sehr oft neu drehen, da immer wieder eine der verschiedenen Perspektiven fehlte, so wurde das Ganze ziemlich aufwendig. Außerdem fand ich das Thema inhaltlich herausfordernd, da es sich um ein ernstes Thema handelt, ich aber vieles mit Humor nehme. In meinem Videokonzept habe ich beides miteinander verbunden.

 

Haben Sie sich zwischendurch auch mal Feedback von Gleichaltrigen zum Video eingeholt?

Ja, ich habe es oft meinen Freunden gezeigt, da man die Objektivität verliert, je länger man sich mit einem bestimmten Projekt beschäftigt.



Was ist die Botschaft Ihrer Arbeit?

Natürlich sollte das Video einerseits enttabuisierend, aber auch präventiv wirken. Die Botschaft ist, dass man sich schützen soll, nicht bloß sein Handy. Denn es sind eben nicht nur die anderen, die es trifft.

Ich habe festgestellt, dass Videos mit überraschender Pointe besonders einflussreich sind, noch dazu funktionieren sie in sozialen Medien besonders gut und verbreiten sich viral. Da fällt aus heiterem Himmel ein Handy runter – die Horrorvision meiner Generation! Man muss hinsehen, obwohl es nicht schön ist. Es ist wichtig, dass man der Zielgruppe Identifikationsmöglichkeiten bietet, und in diese Situation können sich viele junge Leute hineinversetzen.

 

Wie geht es nun weiter damit?

Der Clip wird auf Grundlage meines Konzepts professionell neu produziert und soll veröffentlicht werden.

 

Seit Mitte Oktober haben Sie nun bereits Unterricht – wie empfinden Sie den Start in diesen neuen Lebensabschnitt des Studiums?

Als richtigen Umbruch, man ist plötzlich auf sich allein gestellt. Ich wohne jetzt alleine und muss mir beispielsweise erst einmal die alltäglichsten Dinge anschaffen, die man für selbstverständlich hält, wenn man noch bei den Eltern wohnt. Banale Sachen wie das Salz, das einem fehlt, wenn man das erste Mal für sich Nudeln kochen will. Das Studium ist anders, aber nicht komplett anders – wir sind eine Gruppe von 30 Leuten, also ähnlich wie in der Schule. Was die Studienrichtung anbelangt, bin ich zuversichtlich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

 

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre Zeit an der HMKW!

 

Interview mit G. Pieper:

 

Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des HMKW-Medienstipendiums, Frau Pieper!

Es ist jetzt bereits etwas länger her, dass Sie davon erfahren haben – können Sie sich noch erinnern, was Sie in dem Moment gefühlt haben, als Ihr Wettbewerbsbeitrag plötzlich eingeblendet wurde und Sie als Gewinnerin nach vorne gebeten wurden?

Das war eine riesengroße Überraschung, ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet! Und ich kann es bis heute kaum glauben. Als die ersten Töne meines Videos zu hören waren, dachte ich mir, „Das kenne ich doch!“ Es war aber alles ein bisschen unwirklich und ich habe es in dem Moment gar nicht richtig realisieren können.



Wie haben Sie von dem HMKW-Medienstipendium erfahren und was hat Sie zur Teilnahme veranlasst?

Ich habe es auf der Homepage erfahren und dachte mir, ein Versuch kann nicht schaden. Ich fand die Aufgaben von vornherein ansprechend, zudem fiel mir die interessante Kooperation mit der Deutschen AIDS-Stiftung auf, und ich hatte das Gefühl, mit meiner Teilnahme etwas Sinnvolles beitragen zu können.



Sie haben sich wie die andere Kölner Medienstipendiatin Julia Bettermann für die Aufgabe entschieden, für die Deutsche AIDS-Stiftung ein Video zu produzieren. Was war die besondere Herausforderung für Sie bei dieser Aufgabe?

Insgesamt habe ich ziemlich lange daran gesessen, der Zeitaufwand war also nicht nur auf den einen Drehtag beschränkt. Glücklicherweise befand ich mich in der freien Phase zwischen Schule und Studium.

Zudem hatte ich natürlich nicht das nötige Profi-Equipment – den Ton habe ich ganz einfach mit dem Handy aufgenommen!

Als Herausforderung habe ich aber insbesondere das Texten empfunden, denn ich wollte damit ja eine ganz spezielle, nämlich junge Zielgruppe ansprechen. In der Jugendsprache gibt es ja viele „böse“ Wörter, die nicht gerade respektvoll klingen. Es ging also darum, den Inhalt „korrekt“ auszudrücken, dabei aber auch die Jugend anzusprechen.



Was ist die Botschaft Ihrer Arbeit?

Das finde ich schwierig, auf den Punkt zu bringen! Vor allem wollte ich darauf aufmerksam machen, dass AIDS kein tödliches Schicksal mehr ist, über das man dann auch nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Es kann offen darüber kommuniziert werden, niemand soll ausgegrenzt werden. Deshalb auch der Hashtag #nostigma: dieser fasst meine Botschaft gut zusammen und adressiert Jugendliche.

 

Wie geht es nun damit weiter?

Ich habe das Transkript des Erzähler-Texts an die Deutsche AIDS-Stiftung geschickt, da daran noch etwas gefeilt werden muss. Ansonsten soll das Video so, wie es ist, verwendet werden.

 

Seit Mitte Oktober haben Sie nun bereits Unterricht – wie empfinden Sie den Start in diesen neuen Lebensabschnitt des Studiums?

Sehr neu, sehr aufregend! Vieles aus der Schulzeit findet man aber in der kleinen Klassengemeinschaft – wir sind nur 15 Leute – wieder. Aber vor allem gefällt mir gut, dass man jetzt nur noch Sachen lernt, für die man sich wirklich interessiert.

 

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre Zeit an der HMKW!