Beitrag über den Einfluss von Sprache

Ein Vortrag von Prof. Dr. Sabine Schiffer (HMKW Frankfurt) über journalistische Formulierungen, die Vorurteile schüren können, ist in der aktuellen Ausgabe des Medienmagazins „journalist“ veröffentlicht worden.

Prof. Dr. Sabine Schiffer lehrt an der HMKW Frankfurt im Fachbereich Journalismus und Kommunikation. Foto: Diakonie Düsseldorf

Auf Einladung der jüdischen Gemeinde in Marburg hielt Prof. Dr. Sabine Schiffer aus dem Fachbereich Journalismus und Kommunikation der HMKW Frankfurt im November einen Vortrag über „Sprache und Ausgrenzung“. Der Vortrag ist nun im Wortlaut von dem Medienmagazin „journalist“ veröffentlicht worden.

In ihrem Beitrag, in dem sie unter anderem auf die bekannten Sprachwissenschaftler/innen George Lakoff und Elisabeth Wehling Bezug nimmt, erläutert sie, wie Sprache Aufmerksamkeit steuert, Botschaften Relevanz verleiht und durch Framing, also In-einen-Rahmen-Stellen, Assoziationen hervorruft. Diese können sich, abhängig von der Häufigkeit des Framings oder anderen Faktoren, fest verankern und in Vorurteile verwandeln. Durch die Wahl ihrer Formulierungen und Metaphern, aber auch durch die Wahl der Themen überhaupt haben Journalistinnen und Journalisten erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung und Einordnung von Themen und Zusammenhängen. Selbst „wohlmeinende Äußerungen können ausgrenzenden Charakter haben“, so Prof. Schiffer. Wenn etwa festgestellt werde, dass Frauen genauso gut Karten lesen können wie Männer, werde zunächst einmal unterstellt, dass Männer das Kartenlesen beherrschten. „Noch schlimmer und entmenschlichender“ sei die Anwendung eines Kosten-Nutzen-Frames auf Menschen, also wenn diese über einen ökonomischen Zusammenhang oder eine wirtschaftliche Kennzahl charakterisiert werden.

Prof. Schiffer thematisiert in ihrem Beitrag auch, was für das Bewusstsein dieser Funktionen von Sprache getan werden könne. Das gegen Hassrede entwickelte Counterspeech-Konzept könne einen kontraproduktiven Effekt haben: „Das vermehrte Zeigen auf das Unerwünschte“ verstärke dieses, erkläre es für besonders relevant. Mit einer Anregung des Linguisten Lakoff zeigt sie eine Alternative auf: Anstatt bewussten Markierungen zu folgen, solle herausgefunden werden, welches (übergeordnete) Thema dadurch überblendet werde und eigentlich diskutiert gehöre.

Der komplette Beitrag, in dem auch die Änderung der Richtlinie 12.1 des Pressekodex im Jahr 2017 eingeordnet wird, kann hier nachgelesen werden: http://www.journalist-magazin.de/hintergrund/sprache-und-ausgrenzung