4. Kölner Forum für Journalismuskritik

Die an der HMKW Köln ansässige Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. hat zusammen mit dem Deutschlandfunk (DLF) das 4. Kölner Forum für Journalismuskritik ausgerichtet. In der ganztägigen Veranstaltung wurde unter anderem ein Preis an das Portal netzpolitik.org verliehen.

Im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk wurde am 22. Juni kontrovers, aber konstruktiv debattiert.

Im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk wurde am 22. Juni kontrovers, aber konstruktiv debattiert.

Bei der vierten Ausgabe des Kölner Forums für Journalismuskritik gab es nicht nur wieder spannende Diskussionsrunden zu aktuellen Journalismus-Themen, sondern neben der Verleihung des Günter-Wallraff-Preises drei lobende Erwähnungen sowie mehrere neue Programmelemente. Inhaltlicher Fokus des Forums: „Meinungsmacht und Meinungsmarkt“.

Die Veranstaltung begann mit einleitenden Worten von DLF-Nachrichtenchef Dr. Marco Bertolaso und INA-Geschäftsführer Prof. Dr. Hektor Haarkötter, der an der HMKW Köln im Fachbereich Journalismus und Kommunikation lehrt. Bevor es mit der ersten Diskussionsrunde zum Thema „Neue Medien, neue Akteure: Onlinejournalismus 2018“ losging, gaben zwei Auslandskorrespondenten des DLF Einblick in ihre Arbeit in sehr unterschiedlichen Medienumfeldern (im Verlaufe des Tages folgten weitere, alle hier zu finden).

Zu Beginn der ersten Diskussionsrunde stellte Moderatorin Bettina Schmieding (DLF) fest, dass der Anteil von (Nachwuchs-)Journalistinnen weiter steige – nicht nur ein Blick in das zu großen Teilen mit HMKW-Studierenden gefüllte Publikum bestätigte dies. Auch in der Besetzung der Diskussionsrunde waren ausnahmsweise die Frauen in der Überzahl: Mit Bettina Schmieding diskutierten Markus Beckedahl (netzpolitik.org), Steffi Dobmeier (Funke Mediengruppe), Maria Exner (ZEIT Online) sowie Charlotte Maihoff (RTL Aktuell). Die Diskussionsteilnehmer/innen gaben Einblick in die Strukturen ihrer Redaktionen, hoben die Vorteile des Online-Journalismus hervor und thematisierten auch das noch immer ungelöste Problem der Finanzierung. Besonders zu diesem Thema beteiligte sich das Publikum in der anschließenden Fragerunde mit Anregungen. Zwei der Schlüsse aus dem Gespräch: Konkurrenz belebe das Geschäft und Nischen müssten gefunden werden, um mit Qualitätsjournalismus und nicht allein Clickbaiting- und anderen nur an Reichweite ausgerichteten Methoden erfolgreich zu sein.

In der zweiten Diskussionsrunde debattierten Leonhard Dobusch (Universität Inssbruck/ZDF-Fernsehrat), Valdo Lehari jr., Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Heike Raab, Staatssekretärin für Medien und Digitales Rheinland-Pfalz, und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue mit Moderator Daniel Bouhs (DLF) in der Frage „Über Gebühr gut? Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Angebote“. Ein weiteres Thema, das für (künftige) Graduierte der HMKW-Studiengänge B.A. Journalismus und Unternehmenskommunikation sowie M.A. Konvergenter Journalismus von Bedeutung ist. Zudem topaktueller Diskussionsstoff, da erst in diesem Monat mit der jüngsten Änderung des Rundfunkstaatsvertrags festgelegt wurde, dass die öffentlich-rechtlichen Medien sich statt auf „presseähnliche“ Angebote auf audiovisuelle Inhalte konzentrieren sollen. Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue wies auf die positive Seite des teilweise umstrittenen Verhandlungsergebnisses hin: „Ich habe diese Einigung als Auftrag zur Weiterentwicklung gesehen.“

Auch die dritte Diskussionsrunde war hochkarätig besetzt: Der erste Vorsitzende der IG Metall Jörg Hofmann, Christian Maertin, Head of Corporate Communications der Bayer AG, Ulrich Reitz, Ressortleiter Wirtschaft n-tv sowie Recherchejournalist und Autor Günter Wallraff diskutierten in dem von Sina Fröhndrich (DLF-Wirtschaftsredaktion) moderierten Gespräch über das Thema „Mehr als Dax und Bilanzen? Wirtschaftsjournalismus in Deutschland“. Wie dieser von Journalistinnen und Journalisten umgesetzt wird und wen er in Deutschland erreicht, darüber war man sich in der Runde uneins. Unter anderem wurde das ungenutzte Themenpotenzial dieses Ressorts thematisiert, das über Börsen- oder Produktthemen hinaus etwa auch Arbeitnehmerfragen umfasse.

Nach diesen drei vor allem von den Gesprächsteilnehmer/innen gestalteten Runden war es Zeit, die DLF-Hörer/innen außerhalb des Kammermusiksaals zu Wort kommen zu lassen. Diese waren vorab dazu aufgerufen worden, sich im Rahmen der Sendung mediasres zum Programm des DLF zu äußern – eine Art „Leserbrief-Sendung“, wie mediasres-Moderator Andreas Stopp es formuliert hatte.

Einen weiteren spannenden Programmpunkt stellte die Vorstellung des internationalen Projekts „lie detectors“ dar, mit dem Aufklärungsarbeit zu „Fake news“ an Schulen geleistet wird.

Letzter Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Günter-Wallraff-Preises für Journalismuskritik, moderiert von der HMKW-Absolvierenden und INA-Mitglied Marlene Nunnendorf. Zunächst sprach sie mit dem deutsch-türkischen Journalisten Osman Okkan, der stellvertretend für den Preisträger des vergangenen Jahres Ahmet Şik über die aktuelle Situation für Journalistinnen und Journalisten in der Türkei sprach. Bevor der Hauptpreis überreicht wurde, wurden drei lobende Erwähnungen ausgesprochen: für den Dokumentarfilm „Truth Detectives“ von Regisseurin Anja Reiß, die Reportage-Reihe „Acht Häftlinge“ von Alexander Krützfeld und Eva Achinger sowie die Reportage über das größte Flüchtlingslager der Welt Dadaab (Kenia) von Miriam Keilbach (Frankfurter Rundschau).

Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis, den die Mediengruppe RTL stiftet, ging in diesem Jahr an das Online-Nachrichtenportal netzpolitik.org. Gründer und Chefredakteur Markus Beckedahl, der sich gleichzeitig als Aktivist und Journalist sieht, nahm den Preis von Laudatorin Birgit Wentzien (DLF-Chefredakteurin) entgegen und sprach mit Günter Wallraff und Marlene Nunnendorf über seine Arbeit.

Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf die nächste spannende Veranstaltung – den „Jahres-TÜV für das Infogeschäft“, wie der DLF das Forum für Journalismuskritik umschreibt!

 

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