Von Chongqing an die Spree

Boyun Wang studiert im 5. Semester Medien- und Eventmanagement. 2013 ist er für sein Studium aus China nach Deutschland gekommen. Berlin ist mittlerweile zu seiner zweiten Heimat geworden. Seine berufliche Zukunft sieht er in der Eventorganisation. Im Interview berichtet der B.A.-Student, wie er sich an der HMKW und in seiner neuen Wahlheimat eingelebt hat.

Boyun Wang

Wie kamst du auf ein Studium in Deutschland?

Ganz ehrlich gesagt, wusste ich am Anfang nicht viel über Deutschland. Ich persönlich habe damit Fußball, Autos und Technik verbunden. Das Lied „Deutschland“ von den Prinzen ist mir 2006 wegen der Fußball-Weltmeisterschaft im Gedächtnis geblieben, aber das sind natürlich nur sehr oberflächliche Vorstellungen. Deshalb habe ich mich entschieden, dass ich irgendwann unbedingt nach Deutschland komme, um meine Eindrücke zu vertiefen. Letztendlich ging ich dann 2013 nach Deutschland, aber nicht als Tourist, sondern als Student.

 

Wie bist du an die HMKW gekommen? Wieso hast du dich für den B.A. Medien- und Eventmanagement entschieden?

Ich bin jemand, der gerne mit anderen Menschen kommuniziert. Das ist mir neben meiner fachlichen Ausbildung sehr wichtig, denn ich strebe für meine berufliche Perspektive eine internationale Tätigkeit an. Ich will niemals einen Job nur am Schreibtisch oder vor dem Computer machen müssen, der nur aus Routine besteht.

Die HMKW ist eine Medien-Fachhochschule und Medien sind auch die Währung der Zukunft. Daher habe ich eine große Begeisterung für neue Technologien und Medien. Ich persönlich glaube, dass Eventmanagement sich in der Zukunft bestimmt noch sprunghaft entwickeln wird. Der Studiengang Medien- und Eventmanagement ist eine sehr gute Grundlage für die Arbeit in der Event-Branche oder im Bereich Medien- und Kommunikationswirtschaft. Besonders hilfreich war das wissenschaftliche Propädeutikum, um zu erlernen, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Sozialwissenschaft hat mir geholfen, die deutsche Gesellschaft und die Politik kennenzulernen. Im Modul „Praxis der Veranstaltung“ habe ich gelernt, wie man einen Event von Anfang bis Ende strukturiert und durchführt.

 

Medien sind die Währung der Zukunft.

 

Was hat dir am Studium am besten gefallen?

Die Dozenten haben mich sehr unterstützt. Das war besonders wichtig für mich, da Deutschland ganz anders ist als meine Heimat, in Bezug auf die Kultur und besonders die Sprache. Außerdem habe ich ein grundlegendes theoretisches Verständnis für Medien entwickelt. Wissenschaft und Praxis sind hier eng verknüpft.

Und die vielen Events, Projekte und Ausstellungen finde ich toll! Dieses Jahr habe ich beim Aufbau der Semesterausstellung mitgeholfen. Bei einer Veranstaltung war ich sogar mal Moderator! Das war gar nicht so einfach, weil ich erst zwei Semester in Deutschland war, hat aber viel Spaß gemacht!

 

Hat das auch deine Zukunftspläne beeinflusst, in welche Richtung willst Du gehen?

So genau habe ich mich noch nicht entschieden, ich bin da recht offen. Wichtig ist mir, mit Menschen zu tun zu haben. Und bloß keine Routine vor dem Schreibtisch! Den Bereich Event finde ich sehr spannend, die ganze Organisation.

 

An welche Art von Events denkst du dabei? Was wäre dein Traumevent, den du eines Tages organisieren möchtest?

Mein Traum? Das Queen-Jubiläum! Aber man muss natürlich realistisch bleiben. Trotzdem faszinieren mich feierliche Events. Vielleicht ein großes Firmenjubiläum? Auf jeden Fall auf hohem Niveau.

 

Wie findest du Berlin und wie hast du dich eingelebt?

Klasse! Berlin ist eine tolle Stadt für junge Leute. Als ich zum ersten Mal hier ankam, habe ich mich sofort in die Stadt verliebt. Man kann so viel unternehmen, weil es so unglaublich viele kulturelle Angebote gibt. Und die Geschichte ist hier sehr lebendig. Meine Heimatstadt ist Chongqing und ich dachte eigentlich, dass es wahrscheinlich sehr schwer für mich wäre, eine andere Stadt dieser vorzuziehen. Aber nun ist Berlin tatsächlich meine Heimat geworden. Ich denke, Heimat ist dort, wo man sich wohl fühlt.  Die vielen Veranstaltungen an der HMKW, wie z.B. die HMKW-Eventwoche, Semesterausstellung oder Sommerfest, haben mir auch geholfen, mich hier schnell einzuleben und nette Leute kennenzulernen.

 

Als ich zum ersten Mal hier ankam, habe ich mich sofort in die Stadt verliebt.

 

Wie findest du Berlin im Vergleich zu deiner Heimat? Was hat dich an Berlin und Deutschland überrascht?

Also meine Heimatstadt Chongqing ist weniger international als Berlin. Dass es hier so viel Multikulti gibt, hat mich positiv überrascht. Da fühlt man sich weniger fremd, wenn man neu ankommt. Trotz der Sprachbarriere ist mein Studium super verlaufen. Ich bin sehr zufrieden. Die Menschen in Berlin sind sehr freundlich und offen. Außerdem ist Berlin überraschend günstig, gerade im Vergleich zu anderen Großstädten in Europa. Ich wohne im Bezirk Charlottenburg in einer WG. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hier sehr gut – bei der Miete und auch beim Essen.

 

Du freust dich auf das Praktikum bei einem Partner der HMKW, was erhoffst du dir?

Also im Studium konnte ich immer wieder praktische Erfahrung sammeln. Zum Beispiel bei der Eventsorganisation „Liquid Lights“ im 2. Semester, da habe ich das Sponsoring, Catering und die Raumplanung gemanagt. Aber alle Schritte der Planung und Durchführung in der Praxis zu begleiten, wird mir für meinen späteren Beruf sehr helfen. Man muss so viel beachten! Und dann möchte ich die deutsche Eventsbranche, die ganze Infrastruktur besser kennenlernen. Idealerweise steige ich dort ein, wo ich meine Stärken einsetzen kann und wo ich mit voller Leidenschaft arbeiten kann. 

 

Was würdest du anderen Studierenden oder Studieninteressierten aus dem Ausland als Empfehlung mit auf den Weg geben?

Einfach gesagt: bleibe dran, niemals aufgeben! Man sollte sich von Neuem nicht abschrecken lassen, sondern Interesse zeigen. Ich habe etwas Deutsch gelernt, bevor ich herkam. Das war sehr nützlich, denn die deutsche Sprache ist natürlich ganz anders als die Chinesische. Es ist sehr wichtig, jeden Tag Deutsch zu sprechen und den Kontakt mit den Menschen zu suchen. Mein Studium ist trotz der anfänglichen Sprachbarriere sehr gut verlaufen. Ich bin sehr zufrieden und fühle mich hier wirklich wohl.