Praxisnahes Journalismusstudium am Puls der Zeit: Im Gespräch mit Lisa Frising

Journalismus studieren in einer dynamischen und vielfältigen Stadt wie Berlin: Für Lisa Frising, Studierende des M.A. Konvergenter Journalismus (ab WS 2020: M.A. Digitaler Journalismus, Anm. d. Red.) gibt es derzeit kaum etwas Bereichernderes. Im Interview verrät sie, warum sie sich für ein Studium an der HMKW Berlin entschieden hat, welche Kurse sie besonders begeistern sowie warum sie auch in näherer Zukunft unbedingt in Berlin leben und arbeiten möchte.

Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an die HMKW denken?

Zuallererst denke ich an all die praktische Erfahrungen, die ich während meines zweijährigen Master-Studiums gesammelt habe. Ich habe einige unglaubliche Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt und mich mit ihnen angefreundet. Besonders im Journalismus ist es entscheidend, von anderen Kulturen zu lernen, um die Welt von heute in ihrer ganzen Vielfalt und in all ihren Facetten verstehen zu können.

Warum haben Sie sich damals für den Studiengang M.A. Konvergenter Journalismus entschieden? Und warum haben Sie sich für ein Studium an der HMKW entschieden?

Ich habe mich für den Studiengang Konvergenter Journalismus entschieden, da ich davor bereits meinen Bachelorabschluss in Kommunikationswissenschaften und Anthropologie gemacht habe. Nach einem sehr theoretischen Studium wollte ich mein journalistisches Wissen in einer eher praktischen Art und Weise vertiefen. Nach einem Austauschjahr in London war für mich klar, dass ich in Berlin bleiben und eine kleinere Universität ausprobieren wollte. Ich habe mich für die HMKW Berlin entschieden, da sie viele abwechslungsreiche und cross-mediale Seminare im Angebot hatte.

Konnten Sie zuvor bereits weitere Berufserfahrungen sammeln, von denen Sie uns gerne berichten würden?

Während meines gesamten Bachelorstudiums habe ich die Semesterferien und Sommerferien meist dafür genutzt, um praktische Erfahrungen zu sammeln und somit herauszufinden, wie meine berufliche Zukunft aussehen könnte. Da ich ursprünglich aus Luxemburg komme, habe ich in meiner Heimat in verschiedenen Bereichen des Journalismus gearbeitet, zum Beispiel bei unserer nationalen Zeitung und beim Radio. Zurück in Berlin habe ich als Praktikantin bei der Deutschen Welle gearbeitet, aber leider hat Corona mein Praktikum verkürzt.

Welches Seminar/Projekt hat Ihnen bisher am besten gefallen?

Meine beiden Lieblingsseminare waren definitiv Business/Politics mit Prof. Dr. Markus Ziener und Narrativity/Dramaturgy. Wirtschaft/Politik hat mir sehr geholfen, internationale sozio-politische Zusammenhänge besser zu verstehen. Und da ich mich sehr für Film interessiere, hat mir außerdem in der Dramaturgy-Klasse gefallen, dass ich mich selbst Produzentin/Kamerafrau ausprobieren konnte. Wir haben außerdem an mehreren Medienkongressen (z.B. Internet Governance Forum 2019, Anm. der Redaktion) teilgenommen, um praktische Erfahrungen mit der Kamera zu sammeln und vor Ort mit echten Kunden zu arbeiten.

Wie war es, Teilnehmerin des Workshops Talent Campus_Video zu sein? Was hat Ihnen am besten gefallen?

Es war mir eine große Ehre, an diesem Workshop teilnehmen zu dürfen. Meine Leidenschaft für den Film wurde bereits in der Kindheit geprägt, als ich mit meinen Cousins Tony-Hawk-Skateboardvideos oder trashige Fernsehsendungen nachgestellt habe. Ich habe es immer geliebt, mit meiner alten VHS-Kamera herumzuspielen, verschiedene Blickwinkel auszuprobieren und meine eigene Geschichte mit visuellen Mitteln zu erzählen. Am besten hat mir am Video-Workshop natürlich gefallen, dass wir die Freiheit hatten, unsere eigenen Themen zu behandeln und individuelle Projekte zu verfolgen. Am Ende haben wir sogar unsere eigene Fernsehshow produziert, was sehr viel Spaß gemacht hat.

 

Wie erleben Sie das Leben in Berlin? War es einfach für Sie, sich einzuleben? Wollen Sie hierbleiben?

Um ehrlich zu sein, kann ich mir in Deutschland keine bessere Stadt zum Leben vorstellen. Berlin hat einen sehr einzigartigen Rhythmus. Als ich das erste Mal in die deutsche Hauptstadt gezogen bin, war ich überwältigt. Es ist so viel los. Ich habe noch nie zuvor an einem so ethnisch und konfessionell vielfältigen Ort gelebt, der an jeder Ecke der Stadt von historischen Abenteuern erzählt. Jeder Typ Mensch, den man sich vorstellen kann, lebt hier. Man kann sich kleiden und aussehen, wie man will, und trotzdem gibt es ein großes Gefühl der Akzeptanz für Menschen, die anders sein wollen. Was mich anfangs verwirrte, ist jedoch das, was mich schließlich dazu brachte, mich in die Stadt zu verlieben: Berlin ist fortschrittlich, aufgeschlossen, vielfältig und kostengünstig. Da ich ursprünglich aus Luxemburg komme, einem sehr kleinen Land, in dem der letzte Bus einen gegen 20 Uhr nach Hause bringt, möchte ich auf jeden Fall bleiben.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Wollen Sie hauptberuflich Journalistin werden?

Idealerweise würde ich in naher Zukunft gerne als Filmproduzentin arbeiten. Es ist nicht mein Ziel, der nächste Spielberg oder Tarantino zu werden, um meinen eigenen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood zu bekommen, aber Träume können wahr werden, wenn man hart genug dafür arbeitet. Mein Traumjob wäre es, Teil einer kleinen Produktionsfirma irgendwo auf der Welt zu werden, die ihre eigenen Dokumentarfilme produziert - und Probleme oder Ungleichheiten durch die Linse einer Kamera sichtbar macht. Meine zweite Option wäre es, als Videojournalistin für einige kleinere Nachrichtenagenturen zu arbeiten.

Was raten Sie Studierenden, die sich für ein Studium in Deutschland/an der HMKW entscheiden?

Wenn ihr euch für ein Studium in Deutschland entschieden haben, ist es eine gute Idee, sich in kleinen Schritten auf diese Erfahrung vorzubereiten. Seid proaktiv: Ihr lernt nur, indem ihr Dinge ausprobiert, auch wenn ihr dabei mal einen Fehler macht. Informiert euch vielleicht schon vor eurer Ankunft auf Websites wie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), dem Goethe-Institut und der Studienberatung der HMKW. Bewahrt einen kühlen Kopf , wenn es darum geht, eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden. Der Wohnungsmarkt ist derzeit extrem gesättigt, verliert also nach Eurer 20. Wohnungsbesichtigung nicht die Hoffnung. Last but not least: Versucht, etwas Deutsch zu lernen. Natürlich ist die Sprache nicht einfach und gerade in Berlin braucht man eigentlich kein Deutsch zum Überleben, aber glaubt mir, ein paar Brocken Deutsch werden euch den Alltag unter mürrischen Einheimischen enorm erleichtern.

Welche Eigenschaften sollten Studierende aus Ihrem Studiengang haben?

Meiner Meinung nach gibt es Kernqualitäten, die jede/r "gute" Journalist/in besitzen sollte, wie zum Beispiel: Integrität, kritisches Denken, Genauigkeit, Fairness, ethische Standards, Objektivität und einen ausgeprägten Wissenshunger. Für diesen Masterstudiengang halte ich es für unerlässlich, gute schriftstellerische Fähigkeiten, Neugierde, Zuverlässigkeit für die Arbeit in Teams, Mut, auf Menschen oder Themen zuzugehen, und natürlich solide Kommunikationsfähigkeiten mitzubringen. Als neue Bewerberin oder neuer Bewerber solltet ihr auf jeden Fall aufgeschlossen, wissbegierig, diskussionsfreudig und neugierig sein. Oh, und vergesst nicht, euch selbst treu zu bleiben, auch das hilft sehr.

Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.