Wandlungsfähige Eventbranche

Zwei ehemalige Medien- und Eventmanagement-Studierende der HMKW sind Mitbegründer des Sonnenbrand Festivals, das seit vergangenem Jahr Pandemie-bedingt pausiert. Was die beiden zu ihrer Studienwahl bewegt hat, wie es mit ihrem Event weitergeht und was sie zur Eventbranche zu sagen haben, erzählen sie in diesem Interview.

Marco und Jan bei der Festival-Promo. Foto: Thimo Frers

Marco und Jan bei der Festival-Promo. Foto: Thimo Frers

Hallo Marco und Jan! Da Ihr ein gemeinsames Projekt betreibt und den gleichen Studiengang studiert habt, veröffentlichen wir erstmalig ein Doppelinterview! Bevor wir uns jedoch über das Projekt unterhalten, holen wir etwas weiter aus und blicken in Vor-Corona-Zeiten: Warum habt Ihr Euch damals für das Studium B.A. Medien- und Eventmanagement an der HMKW entschieden?

M: Bevor ich 2015 mein Abitur machte, machte ich mir viele Gedanken, wie es danach weitergehen sollte. Einerseits war für mich der Weg klar, dass ich die Welt der Medien und Events möchte, aber das „Wie“ war mir nicht klar. Dann hörte ich von dem Dualen Studiengang mit genau dieser fachlichen Kombination. Die Möglichkeit, ein Studium mit einer Ausbildung zu verbinden, klang für mich äußerst attraktiv, und bis heute habe ich diese Studienwahl nicht bereut.

J: Bei mir war es erst mal umgekehrt: Ich wusste, dass ich studieren wollte, aber nicht was, und ob ich „gut genug“ dafür sein würde. Nach langem Hin und Her wurde mir klar, dass ich Kreativität mit medialen Inhalten zusammenbringen möchte. Ein glücklicher Zufall brachte mich dann auf die HMKW und den B.A. Medien- und Eventmanagement.
 

Wo habt Ihr Euer Praktikum während des Studiums absolviert und was waren Eure Aufgaben?

M: Zunächst war ich in Essen bei der Agentur, zu der unter anderem die Marke Virtual Nights gehört, eine Plattform für Event-Fotografie. Dort habe ich unter anderem Einblicke in die Konzeption, Planung und Realisierung von Live-Werbe- und Kommunikations-Kampagnen bekommen. Danach war ich als Assistenz in der technischen Leitung bei der Agentur I-Motion in Mülheim-Kärlich. Diese Zeit hat mich definitiv geprägt und mich vollkommen von dem Weg in die Veranstaltungsbranche überzeugt. Bei I-Motion erhielt ich Einblicke in die Organisation und Umsetzung von Großveranstaltungen im elektronischen Musikbereich wie zum Beispiel Mayday und Nature One – Festivals, die in Deutschland zu den größten ihrer Art gehören.

J: Meine Ausbildung während des Dualen Studiums konnte ich – nach einem extremen Fehlgriff in Sachen Unternehmen – dank der hervorragenden Unterstützung und Beratung der bm [Anm. der Redaktion: der Partner der HMKW Köln im Dualen Studium] in einem der meiner Meinung nach schönsten Familienunternehmen von Köln absolvieren, dem Süßwarenhersteller hitschler. Dort war ich anderthalb Jahre für die Contentproduktion des Instagram-Kanals zuständig sowie für die Mitkoordinierung diverser Offline-Kampagnen. Eine sehr schöne und lehrreiche Zeit!

 

Damit habt Ihr tatsächlich die beiden möglichen Richtungen innerhalb des Medien- und Eventmanagementstudiums eingeschlagen. Gleichzeitig habt Ihr während des Studiums ein gemeinsames, gewissermaßen interdisziplinäres Projekt gestartet. Worum handelt es sich dabei und was macht Ihr außerdem?

J: So ist es: Seit zweieinhalb Jahren bin ich zusammen mit Marco und zwei weiteren festes Mitglied des SonnenBrand Festival Orgateams, dem Festival in Leverkusen für elektronische Musik. Ich bin für die Online-Kommunikation zuständig und stehe jetzt mit der fortlaufenden Corona-Pandemie vor neuen Herausforderungen, die sich als kreative Booster entpuppen. Darüber hinaus stehen immer wieder neue Projekte im privaten Rahmen an, wie ein eigener Podcast. Dank des Studiums weiß ich, worauf ich achten muss und wie ich diese Vorhaben ideal realisieren kann. Ich habe gelernt, wie ich meine Kreativität kanalisieren kann.

M: Nach dem Studium habe ich wie erhofft eine Festanstellung bei meinem Praxisbetrieb I-Motion erhalten. Somit setze ich mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit – durch das SonnenBrand Festival – mit der Live-Entertainment-Branche auseinander. Seit 2017 gibt es mittlerweile eigentlich keinen Tag ohne einen Gedanken an das eigene Projekt.

 

Wie habt Ihr im letzten Sommer agiert, als klar war, dass das SonnenBrand Festival aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie geplant stattfinden kann?

M: Der Frühling 2020 war für uns alle bitter. Nachdem man zunächst nur einzelne Nachrichten über dieses Virus gelesen hatte, wurde die Pandemie auf einmal sehr schnell und sehr hart zur Realität. Eine Zeit lang haben wir, wie viele andere, gehofft, dass im Sommer aber alles schon vorbei sein würde – wie wir jetzt wissen, war das ein Irrglaube. Als das erste Verbot für Großveranstaltungen kam, haben wir gar nicht lange überlegt, ob wir unsere 1000-Personen-Veranstaltung irgendwie durchgedrückt kriegen.

J: Genau: Als wir das SonnenBrand Festival offiziell abgesagt haben, taten wir das nicht, weil wir um finanzielle Einbuße gefürchtet haben, sondern aus Respekt vor der gesamten Branche und für die Sicherheit und Gesundheit unserer Gäste, Mitarbeiter, Helfer und Künstler. Ein SonnenBrand Festival wäre zu dem Zeitpunkt möglich gewesen, aber zu einem Preis, den wir nicht hätten tragen wollen – das würden wir auch wieder so entscheiden.

 

Ihr habt sozusagen die Not zur Tugend gemacht und Alternativen zum Live-Event auf die Beine gestellt – zuletzt pünktlich zum Jahreswechsel ein DJ-Set als Videostream, damit zumindest in den eigenen vier Wänden ins Neue Jahr getanzt werden konnte. Was plant Ihr als nächstes und was erhofft Ihr Euch von 2021?

M: Für uns war schnell klar, dass wir irgendwas machen müssen, damit wir kommunizieren können, dass wir noch da sind. Das Ergebnis unserer Überlegungen war dann unser erstes Livestream-Video im Leverkusener Wasserturm als besonderer Location.

J: Streams, wie wir sie zum Jahresende ausgestrahlt haben, sind immer noch eine gelungene Alternative zu Auftritten vor Publikum. Es schmerzt zwar, die Massen nur zuhause unterhalten zu können, aber so können wir und die Branche ein Lebenszeichen geben.

M: Allerdings ist es gelinde gesagt schwierig, auch ein solches Event mit einem Budget von weniger als 500 Euro ökonomisch lukrativ zu organisieren. Aus diesem Grund ist es bisher auch nur zu noch einem weiteren Livestream gekommen. Für 2021 haben wir aber wieder viele Ideen – sowohl digital wie auch persönlich.

J: Wir wollen weiterhin auf diesem Niveau „Live“-Inhalte produzieren und arbeiten natürlich auf ein erfolgreiches SonnenBrand 2021, bereit für all die Tücken, die uns erwarten.

M: Einerseits haben wir Hoffnung, dass die im Sommer gewöhnlich niedrigeren Infektionszahlen und der voranschreitende Impfvorgang im Sommer wieder kleinere Veranstaltungen erlaubt und wir am 28.8. wieder unser SonnenBrand Festival feiern können. Andererseits machen wir uns auch viele Gedanken, wie wir weitere Livestream-Videos realisieren können. Da gibt es in Zukunft auch mehr auf unserer Homepage und den Social-Media-Präsenzen zu sehen. 2021 wird als auch wieder spannend für uns.

 

Was sind Eure Prognosen hinsichtlich der Eventbranche allgemein?

„Wir dürfen nicht fahrlässig handeln und müssen abwarten, bis das Virus endgültig keine Bedrohung mehr für die Gesundheit der Menschen darstellt.“ – Jan


J: Als primärer Medienstudent kann ich schlecht gezielte Prognosen über die Eventbranche abgeben. Was ich allerdings beobachten konnte, ist, dass die Branche in der Lage ist, Alternativen zu schaffen, wenn man sie lässt. Bisher wurden alle Hygienekonzepte von den Rezipienten sehr gut angenommen. Andererseits dürfen wir meiner Meinung nach nicht fahrlässig handeln und müssen abwarten, bis das Virus endgültig keine Bedrohung mehr für die Gesundheit der Menschen darstellt.
 

„Ich denke und hoffe, dass wenn wir wieder Veranstaltungen durchführen können, dies viel mehr wertgeschätzt wird.“– Marco


M: Bevor die Corona-Pandemie die schwierige Lage vieler Marktteilnehmer in die öffentliche Wahrnehmung gerückt hat, hatte ich das Gefühl, dass viele eine Veranstaltung für völlig selbstverständlich hingenommen haben. Aus meiner Sicht merkten die Leute gar nicht, was alles dahintersteckt, wenn man eine Veranstaltung plant. Besuchermanagement, Gastronomie, Veranstaltungstechnik, Infrastruktur und so weiter – das alles wurde einfach erwartet. Ich denke und hoffe, dass dies, wenn wir wieder Veranstaltungen durchführen können, viel mehr wertgeschätzt wird.
 

„Kaum eine andere Branche ist so flexibel und anpassungsfähig, weshalb ich davon überzeugt bin, dass wir alle früher oder später wieder zusammen lachen, feiern und tanzen.“ – Marco


Zudem muss man abwarten, wie viele Firmen aus dieser Krise herauskommen und wie die Infrastruktur für Events danach aussieht. Das alles wird vermutlich noch viel länger dauern, als wir aktuell absehen können.

Dennoch bin ich optimistisch und frohen Mutes, dass wir gestärkt aus dieser schweren Zeit hervorgehen. Kaum eine andere Branche ist so flexibel und anpassungsfähig, weshalb ich davon überzeugt bin, dass wir alle früher oder später wieder zusammen lachen, feiern und tanzen.

 

…Herzlichen Dank für das Interview!