Facetten des Eventmanagements: Vom Agenturleben in den öffentlichen Dienst

Meret Gesierich hat ihr duales Studium im Fach Medien- und Eventmanagement dual 2019 erfolgreich abgeschlossen - und konnte direkt nach dem Abschluss bei einer Full-Service-Eventagentur einsteigen. Doch dann war plötzlich viel Flexibilität gefragt, denn die Pandemie kam dazwischen. Glücklicherweise konnte Meret schnell umsatteln und fand eine feste Stelle als Veranstaltungsmanagerin im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Interview hat sie uns mehr über ihre aktuelle Arbeit sowie die Vorteile des dualen Studiums an der HMKW erzählt.

Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an die HMKW denken?

Wenn ich an die HMKW denke, erinnere ich mich an Professor Pöllmann und die Events, die wir in seinen Kursen selber umgesetzt haben. Ich denke an unsere Jamsession im Foyer, an Podcast-Aufnahmen im Keller, den Wasserspender im Eingang und die vielen Gespräche mit Julien in der Verwaltung.

Ich denke an heiße Sommer in fast ebenso heißen Vorlesungsräumen, samstägliche Blockseminare für den IHK-Unterricht und unendlich viele Laugenstangen als Mittagessen.

Ich bin dankbar für viereinhalb anspruchsvolle und gleichzeitig lustige Jahre, für die Chance, Bachelor- und IHK-Abschluss vereinen zu können, für Professor*innen, die für uns coole Projekte entwickelt haben, für IHK-Dozent*innen, mit denen wir nach den Prüfungen zusammen ein paar (oder ein paar mehr) Biere trinken gehen konnten, und vor allem für meine Beziehung und tolle Freundschaften, die hier begonnen haben.

 

Sie haben den Studiengang B.A. Medien- und Eventmanagement dual studiert. Als was arbeiten Sie nun?

Schon während des Studiums habe ich mich als Projektmanagerin für Gala-Events selbstständig gemacht und wurde noch am Tag der Abgabe meiner Bachelorarbeit von einem meiner Auftraggeber – in einer Full-Service-Eventagentur – fest angestellt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, an der Planung und Umsetzung von medialen Ereignissen wie Preisverleihungen und Marketingevents, aber auch an Kongressen und Messen mitzuarbeiten, Sponsoring-Konzepte zu entwickeln und Incentive-Reisen zu begleiten. Doch leider kam durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie im März 2020 zuerst die Kurzarbeit und im Mai musste das Arbeitsverhältnis beendet werden.

Die Arbeitslosigkeit kam überraschend und war selbstverständlich frustrierend, aber hielt zum Glück nicht allzu lange an. Seit dem Spätsommer bin ich nun in der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung der Deutschen Rentenversicherung angestellt. Der Öffentliche Dienst – den hatte ich während des Studiums nicht auf meiner Wunschliste stehen, doch unverhofft kommt oft. Trotz der Pandemie hatte ich dort einen super Start und bin seitdem für die Konzeptionierung und Durchführung von Marketing- und Kampagnenevents zuständig – aktuell primär digital.

Warum haben Sie sich damals für den dualen Studiengang B.A. Medien- und Eventmanagement entschieden? Und warum haben Sie sich für ein Studium an der HMKW entschieden?

Vor meinem Studium an der HMKW habe ich an einer staatlichen Uni ein BWL-Studium begonnen und nach dem ersten Semester abgebrochen, weil jede*r unter knapp 400 Studierenden dort nur eine (Matrikel-)Nummer war. Mir hat der persönliche Austausch zu den Lehrenden genauso wie der Praxisbezug gefehlt und daher habe ich nach einer Alternative gesucht. Zuerst haben mich die Studiengebühren an der HMKW genauso wie an anderen privaten Hochschulen zögern lassen, aber im Endeffekt hat mich vor allem die familiäre Atmosphäre und das duale Modell überzeugt.

Welche Vorteile eines dualen Studiums sehen Sie gegenüber einem Studium in der klassischen Form?

Trotz vieler Projekte im Studium ist die Lehre nun mal grundsätzlich theoretisch. Der Bezug zur Praxis war eine sehr hilfreiche und interessante Ergänzung dazu. Die IHK-Dozent*innen arbeiten neben ihrer Ausbildungstätigkeit größtenteils in der freien Wirtschaft und bringen Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag mit – genauso wie eine sehr lockere Art im Austausch mit uns.

Der wichtigste Mehrwert war für mich, dass ich das kaufmännische Arbeiten gelernt habe, das im späteren Berufsalltag essentiell ist. Die weiterhin bestehenden Freundschaften aus dem Studium sind außerdem fast alle aus dem dualen Kurs, da man mit der Zeit wirklich zusammenwächst. Die abgeschlossene Ausbildung war bei Bewerbungen ein Pluspunkt und wenn man beides machen möchte, ergibt es aufgrund der Zeitersparnis und der sich oft überschneidenden Inhalte auf jeden Fall Sinn, beides zu verbinden.

Welche Inhalte aus dem Studium finden sich in Ihrer Arbeit wieder bzw. helfen Ihnen dabei?

Gerade durch den Praxisbezug und verschiedene Projekte konnte ich bereits im Studium einen guten Einblick in die Branche bekommen, Abläufe kennenlernen und Prioritäten einschätzen. Es gehört zu meinem Arbeitsalltag, regelmäßig Vermarktungsideen und Veranstaltungskonzepte zu pitchen.

Die Vorbereitung durch Präsentationstrainings und echte Pitches vor echten Kund*innen im Studium hat mir sehr geholfen. Und zur Erstellung dieser Ideen und Konzepte dient das ziemlich breit gefächerte Wissen in Marktforschung, Mediaplanung, Kommunikation.

 

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders und was stellt eine Herausforderung dar?

Im Eventmanagement liebe ich es, penibel durchorganisiert und gleichzeitig total kreativ sein zu müssen. Es macht mir Spaß, Konzepte anhand der Veranstaltungsziele von Grund auf zu erdenken, im Prozess weiterzuentwickeln und anschließend in Projektpläne einzuarbeiten. Außerdem lebt der Job von Kontakten zu Kund*innen und Dienstleister*innen sowie vor allem von den Herausforderungen, der Spontanität und dem Adrenalin am Veranstaltungstag. In den Momenten weiß man, wofür sich die Nachtschichten gelohnt haben.

Die Herausforderungen in der Branche sieht man während der aktuellen Pandemie ganz besonders. Diese bestehen vor allem in den Unwägbarkeiten externer Faktoren: von Kleinigkeiten wie dem Wetter über wirtschaftliche Tiefs bis hin zu einer Pandemie.

Wie sind die Jobsuche und spätere Bewerbungsphase verlaufen?

Durch die Kontakte, die ich während des Praxisjahrs geknüpft hatte, war nach meinem Abschluss keine Jobsuche notwendig, da ich sowohl von der Werbeagentur, in der ich im ersten halben Jahr gearbeitet hatte, als auch von einer selbstständigen Eventmanagerin aus meiner Zeit bei Hubert Burda Media Jobangebote bekommen habe. Da ich gemerkt hatte, dass mein Herz vor allem für die Veranstaltungsbranche schlägt, habe ich mich dafür entschieden.

Nachdem ich weniger als eineinhalb Jahre später wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in der Eventagentur arbeiten konnte, habe ich einen neuen Job gesucht. Aufgrund der Branchenkrise waren kaum Stellen ausgeschrieben und die wenigen waren umso begehrter. Ich habe mich daher teilweise branchenfremd beworben – Hotellerie, Hochschulmanagement, PR. Nach vier Monaten, sechs Bewerbungen und drei Vorstellungsgesprächen hatte ich zwei Angebote zur Auswahl.

Welchen Rat würden Sie neuen Studierenden geben?

Nutzt die Nähe zu euren Professor*innen und Dozent*innen aus – genauso wie die (freiwilligen) Projektarbeiten, die Zusatzangebote und vor allem eure Praxisphase!

 

Ich habe versucht, in den vier Jahren alles mitzunehmen, was ich konnte: Jobangebote meiner Profs, Coaching-Ausbildung, Video-Production-Workshop, Exkursionen zu Unternehmen, Messebesuche… Das hat mir selbst unglaublich geholfen, herauszufinden, was mir liegt und Spaß macht. Außerdem habe ich viel gelernt und konnte damit bei Bewerbungsgesprächen punkten.

Welche Chancen für Ihr berufliches Umfeld sehen Sie trotz der Krise? Was sind Ihre Prognosen hinsichtlich der Eventbranche allgemein?

Wie der Name schon sagt, umfasst der Studiengang Medien- und Eventmanagement zwei Bereiche. Während die Eventbranche aktuell natürlich vor großen Herausforderungen steht, ist Medienmanagement wichtiger denn je. Immerhin nutzen wir alle durch den Lockdown verstärkt Medien: um zu arbeiten, in Kontakt zu bleiben, zu shoppen und um uns zu amüsieren. Die Technologien und kreativen Ideen dafür, was unter anderem online möglich ist, sind also gefragt. Und da kommen beide Bereiche wieder zusammen, denn davon kann die Eventbranche ebenfalls aktuell profitieren.

In meinem Job im öffentlichen Dienst sehe ich, was sich allein im letzten Jahr getan hat. Die Prozesse dort sind sicherlich langsamer als in der freien Wirtschaft und dennoch habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Veranstaltungen in hybrider Form sehr erfolgreich umgesetzt. Es dauert natürlich ein bisschen, die technische Infrastruktur zu schaffen, die richtigen Plattformen zu finden, Interaktivität zu ermöglichen und beispielsweise Musik und Catering auch auf Distanz zu ermöglichen, aber es funktioniert.

Danke für die spannenden Einblicke. Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft.