Promotionskolloquium: Müll im Designprozess

Am 17. Januar 2017 fand an der HMKW Berlin das zweite wissenschaftliche Kolloquium statt. Susanne Ritzmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Design, stellte dem Kollegium ihr Promotionsprojekt „Wegwerfen – Entwerfen. Müll im Designprozess und Nachhaltigkeit in der Designdidaktik“ vor.

Susanne Ritzmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HMKW Berlin

In ihrer Arbeit untersucht Susanne Ritzmann die Verbindung zwischen Müll und Design. Ihr Fokus liegt auf der Frage, wie man Nachhaltigkeit in der Ausbildung von Designerinnen und Designern vermitteln kann und welche Rolle das Phänomen Müll darin spielt. Müll ist dabei zum einen Indikator für die ökologischen Konsequenzen gestalterischer Aktivität und zum anderen theoretischer Baustein in der Erörterung des Designprozesses.

Als Designforschungsprojekt kommen hier auch gestalterische Maßnahmen als Forschungsmodus zum Tragen. Neben traditionellen Methoden, wie Beobachtungen und Fallstudien, liegt viel Gewicht auf dem konzeptuellen Entwurf eines Lehrformats für die Designdidaktik. Dieses Lehrformat, die „Müllseminare“, war der Startpunkt für die theoretische Erörterung einer Designdidaktik des Mülls, die es leisten soll, die Vermittlung des Konzepts Nachhaltigkeit an Designstudierende zu ermöglichen. Dieser Entwurf folgt der These, dass das Phänomen Müll die vielschichtigen Verbindungen und Interdependenzen des Konzepts Nachhaltigkeit implizit, realitätsnah und zugänglich übersetzt. Das entwickelte Lehrformat wurde im universitären Kontext mit Designstudierenden getestet und weiterentwickelt.

Gleichzeitig hat Susanne Ritzmann durch die Untersuchung des Phänomens Müll anhand von Analysen und Beobachtungen des Wegwerfens Erkenntnisse zur Artefakttheorie gewonnen, die sie als „Lebensweg der Artefakte“ in einem theoretischen Modell darstellt. Sie hofft damit vorhandene Designtheorien zu Design- und Gebrauchsprozessen von Artefakten zu erweitern. Die bisher evidente Trennung zwischen dem Erscheinen und Verschwinden der Dinge im Design möchte sie zugunsten der Integration des Mülls in die Analysephase des Designprozesses aufheben. 

Das entstandene Werkzeugset für die Designlehre, in dem Müll als Vermittler von Nachhaltigkeit fungiert, ist eingebettet in eine umfassende designtheoretische Erörterung und steht neben den theoretischen Modellen als produktives Ergebnis dieses Forschungsprojekts.

In der anschließenden regen Diskussion unter KollegInnen verschiedener Fachbereiche wurden auch die weiteren Verwertungswege einer Dissertation und neue Publikationsmöglichkeiten erörtert.