HMKW-Student gründet eigenes Unternehmen

Edouard Morin studiert an der HMKW Berlin im 6. Semester „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. 

 

Am 1. Juli 2013 gründete er zusammen mit seinem besten Freund Achille Biteau ein eigenes Unternehmen in London: „LumièresLaNuit“ – Musik und Design. 

 

Zu diesem mutigen Schritt gratulieren wir und fragen uns natürlich, was Edouard uns dazu erzählen kann…

Achille Biteau

Achille Biteau

Edouard Morin

Edouard Morin

HMKW: Sie kommen ursprünglich aus Frankreich. Wie sind Sie denn nach Berlin und an die HMKW gekommen?

E. Morin: Meine Eltern wollten unbedingt, dass ich Deutsch lerne. Ich habe in Frankreich mein Abitur gemacht und dort an der Universität BWL und Deutsch studiert. Ich wollte dann einfach nicht mehr in Paris leben. Da ich schon Deutsch konnte, dachte ich mir: Warum nicht nach Berlin? Wenn man schon nach Deutschland zieht, ist die erste Wahl einfach Berlin. In Frankfurt am Main habe ich meine Sprachprüfung gemacht und bin dann wieder nach Berlin gekommen. Ich wollte nicht mehr an der Universität studieren, da sie meiner Meinung nach doch sehr theoriegerichtet ist. Ich brauchte auf jeden Fall etwas Praxisgerichtetes, deswegen fand ich, dass Journalismus und Unternehmenskommunikation an einer Hochschule die richtige Entscheidung ist.

HMKW: Parallel zum Studium haben Sie mit einem Freund Ihr Unternehmen gegründet.

E. Morin: Genau, mit Achille. Wir kennen uns mittlerweile seit über zehn Jahren. Wir sind zusammen ziemlich viel herumgekommen. Er hat in Paris gewohnt, auch in Afrika, hat sein Studium in Indien gemacht und ist dann nach San Francisco gezogen. Deswegen bin ich auch nach Indien, San Francisco und so weiter geflogen. Er hat auch schon mal ein Praktikum in Berlin gemacht, ein bis zwei Mal im Jahr sind wir zusammen in der Welt unterwegs gewesen.

HMKW: Wie ist es dann dazu gekommen, dass Sie ein Unternehmen zusammen gegründet haben?

E. Morin: Also ich wollte ursprünglich schon als ich 18 Jahre alt war ein Musiklabel gründen. Das war aber nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Achille, mein Mitgründer, hat einen guten Job in San Francisco und ist auf Design spezialisiert. Ich hatte die Idee zum Unternehmen und habe ihn gefragt, ob er ein paar Dinge für mich machen kann. Da er selber auch mit dem Gedanken gespielt hat, ein zweites Standbein aufzubauen, haben wir uns zusammengetan. Das hat mir vieles leichter gemacht. Und dank ihm hat das Projekt eine neue Dimension erfahren. 
Das Unternehmen besteht jetzt aus einem Musiklabel und wir entwickeln auch Designprodukte für Musik- und Designbegeisterte, also von T-Shirts bis... Mehr verrate ich nicht, das werden Sie in den nächsten drei Jahren erfahren! 
Es geht bei uns um Techno-Musik, also Underground-Musik. Dafür braucht man Kontakte. Man kann nicht einfach sagen "Hallo wir sind, 24 und möchten ein Technolabel gründen". Ich musste dafür tatsächlich viel ausgehen und Kontakte aufbauen. 
Wir arbeiten jetzt seit ca. einem Jahr an den Vorbereitungen. Anfang Februar soll das Ganze dann gelauncht werden, die Webseite, die Produkte etc.

HMKW: Und das Unternehmen sitzt in London?

E. Morin: Ja, ich wohne jetzt seit 5 Jahren in Berlin, und irgendwann brauche ich etwas Neues und muss Neues entdecken. Ich kenne London schon ziemlich gut. Für mich ist es die perfekte Mischung zwischen Paris und Berlin. Es gibt diese reiche Seite, die man in Paris findet, und die Freaks, die man in Berlin findet. Und die Musikszene ist in London auch berühmt und heiß.

HMKW: Welche Tipps können Sie anderen geben, die sich "nebenbei" selbstständig machen wollen oder ihr eigenes Unternehmen planen?

E. Morin: Es gab bei uns viele Schwierigkeiten, damit muss man rechnen. Da wir das Unternehmen in London gegründet haben, mussten wir viele Unterschiede berücksichtigen, die es z.B. zwischen Berlin, Paris und London gibt. Am Schwierigsten war aber die Kommunikation. Emails beantwortet nicht jeder. Ich bin aus diesem Grund vielen Leuten hinterhergelaufen und stand kurz vorm Ausrasten. Wir arbeiten außerdem unter Freunden, das ist immer recht schwierig, ich denke es ist einfacher, wenn man die Leute privat nicht kennt. Je nachdem mit wem man arbeitet und wie...
Was mich betrifft, ich wollte einfach meine Leidenschaft und mein Studium unter einen Hut bringen. Musik ist schon eine ziemlich schwierige Branche, aber wenn es deine Leidenschaft ist, dann bist du auch bereit, viel dafür zu tun. Ich habe eine Zeit lang sehr viel gearbeitet, bin um 3h ins Bett gegangen und um 7-8h aufgestanden.
Man muss sehr viel recherchieren. Eigentlich steht ja heutzutage alles im Internet. Das macht am Anfang keinen Spaß, wenn es aber um deine Leidenschaft geht, wird es auf jeden Fall leichter. Eine gute Planung ist genauso wichtig, organisiert sein… Wir schreiben alles auf, ich weiß genau was ich am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag machen muss. Ich arbeite auch am Wochenende ziemlich viel. Früher bin ich noch viel ausgegangen, mittlerweile nicht mehr, die Kontakte habe ich ja jetzt.

Die Zusammenarbeit ist mir auch sehr wichtig! Dadurch habe ich unheimlich viel gelernt. Ich habe mir in den letzten zwei Jahren unheimlich viele potenzielle Projekte aufgeschrieben, von denen vielleicht nur 3% umgesetzt werden. LumièresLaNuit ist eins unter vielen. Wenn man eine gute Idee hat, braucht man meistens andere, die einem bei der Umsetzung helfen. Ich denke es gibt nur ganz wenige Leute, die alles alleine schaffen.
Ich interessiere mich selber für sehr viele Sachen, wie Mode, Politik, Wirtschaft, Kunst, Medien und neue Technologien. Das sind auch Kreativitätsquellen, aus denen man schöpfen muss. Man muss sich schon sehr neugierig und offen zeigen. Politik z.B. kann für dich sehr interessant sein, auch wenn es im Unternehmen um Musik geht.
Zuletzt muss man Risiken und Kompromisse eingehen, sonst gibt’s meiner Meinung nach keinen Erfolg. Außerdem: Habe einen Mentor, der dich inspiriert, glaub‘ an was du machst und gib deinen Gegnern keine Beachtung.

HMKW: Was ist für Sie noch wichtig zu sagen?

E. Morin: Für unser Unternehmen war’s wichtig, das Design nicht getrennt von der Musik zu betrachten. Sie sind halt unsere Hauptkommunikationswege. 
Es gibt so viele Musiklabel, von denen wollen wir uns abheben. Ich wollte deswegen ein Unternehmen mit Musik und Design gründen: Es geht darum, ein ziemlich starkes Corporate Identity zu gründen, auch eine gute Design Language. Wir sind nicht nur ein Label, sondern ein Unternehmen mit verschiedenen Geschäftsbereichen. 
Für uns ist die Interkulturalität auch wichtig. Wir sind beide viel herumgekommen, es ist uns wichtig, das in die Arbeit einzubauen. Außerdem geht es bei uns um Minimalismus. Es soll einfach aussehen, steckt aber sehr viel Arbeit dahinter. 
Wir verkaufen nur Schallplatten, weil dieses Medium zu unserem Konzept passt. Unser Ziel ist es, die altmodische Schallplatte wieder in den Vordergrund zu stellen. Ich glaube, das kann man durch gutes Design, durch Design Language. Zuletzt sind wir beide „Japan begeistert“ und wollen auch einen Schwerpunkt darauf legen. Deswegen haben wir uns japanische Künstler ausgesucht und das Design auf den Markt etwas ausgerichtet.

Ich denke, sobald du kreativ bist, kannst du viel schaffen. Leute sagen, dass Musik ein schwieriger Markt ist, aber mit ein paar Ideen und einem guten Team kann man viele tolle Sachen mit Musik machen.
Zur Aufklärung des Namens "LumièresLaNuit": Licht in der Nacht. Techno-Musik ist eine Musik, die zur Nacht gehört. Lumières sind die Künstler im Allgemeinen, die die Nacht mit Musik beleben.
Wir haben bis jetzt insgesamt viele gute Rückmeldungen bekommen, deswegen sind wir erstmal schon ziemlich stolz und vor allem auf das Ergebnis gespannt!

HMKW: Das sind wir auch - und wünschen viel Erfolg! Vielen Dank, Herr Morin, für das Gespräch.