Journalistisches Hands-On-Projekt über Menschenhandel

Michelle Bohlmann studiert Journalismus und Unternehmenskommunikation am Campus Berlin. Im Wintersemester 2021/22 hat sie gemeinsam mit ihren Kommilitoninnen Paula Bossung, Nathalie Götz und Ketsia Mbala im Modul „Journalistische Praxis“ bei den Dozenten Richard Elsner und Daniel Lehmann ein Website-Projekt zum Thema Menschenhandel auf die Beine gestellt. Im Interview hat uns Michelle mehr über ihre Intention, Arbeitsweise sowie die größten Herausforderungen erzählt.

Michelle Bohlmann am Campus Berlin (Foto: Deborah Bischofberger)

Michelle Bohlmann am Campus Berlin (Foto: Deborah Bischofberger)

Prostitution und Menschenhandel: zwei Themen, die in der Gesellschaft oft noch tabuisiert sind und über die in der Regel wenig gesprochen wird. Wie kam es zu Eurem journalistischen Projekt?

Das war eigentlich eher eine spontane Idee. Wir haben recht lange überlegt, welchem Thema wir uns bei unserem Projekt widmen wollen. Menschenhandel und Prostitution sind definitiv keine einfachen Themen, auf jeden Fall sehr sensibel. Am Anfang waren wir deswegen noch recht skeptisch: Wollen wir das wirklich machen? Auch der Dozent meinte, dass es ein sehr schweres Thema sei und sagte uns, dass wir echt aufpassen müssten, was man schreibt, wie man es schreibt, aber er würde uns den Freiraum lassen. Also haben wir dann losgelegt!

Welche Herangehensweise hattet Ihr an das Thema?             

Erstmal haben wir geschaut, was man unter Menschenhandel versteht, also was alles unter diese Definition fällt. Und danach haben wir uns an die Aufteilung der Aufgaben gemacht. Für mich und Paula war relativ klar, dass wir ganz nah ans Geschehen wollen– wir wollten eine Reportage machen, Interviews führen. Also haben wir an verschiedenen Orten in Berlin recherchiert, u.a. auf dem Straßenstrich in der Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten. Nathalie hatte eher Interesse zu recherchieren – also hat sie den Recherche-Part übernommen. Ketsia hatte ebenfalls Lust, eine Reportage zu machen. Das hat sich bei ihr gut angeboten, denn ein paar Tage später hat eine Veranstaltung bei der IJM (International Justice Mission) stattgefunden, zu der sie direkt hingegangen ist und worüber sie dann eine Reportage gemacht hat.

 

Was zählte zu den größten Herausforderungen?

Da kann ich vor allem für mich und Paula sprechen, da wir im Projekt sehr intensiv zusammengearbeitet haben. Ich würde sagen, es war tatsächlich die Umsetzung, die eine große Herausforderung war. Wir hatten sehr viele Ideen und wollten so viel machen – doch wir mussten uns für thematische Schwerpunkte entscheiden. Ich kam dann schließlich auf die Idee, eine Website zu erstellen, um alle unsere Beiträge dort zu bündeln.

Möchtet Ihr das Projekt fortführen? Wenn ja, was ist für die Zukunft geplant?

Auf unserer Website befindet sich ein Kontaktformular, das heißt, jeder kann Anmerkungen machen. Für uns ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Klar, für’s Erste schon, weil wir noch im Studium sind und uns dort anderen Projekten widmen müssen. Aber wir haben auf jeden Fall gemerkt, dass wir uns noch lange nicht mit allen Aspekten beschäftigt haben, die uns interessieren. Es war auch echt schwierig im Zeitraum von einem Semester, dem Thema Menschenhandel wirklich so gerecht zu werden, wie es das verdient hätte.

Welchen Ratschlag habt Ihr an HMKW-Studierende, die mit dem Gedanken spielen, ein ähnliches Projekt wie ihr zu starten?

In erster Linie würde ich sagen, das Thema des Projekts sollte alle interessieren. Ich finde es auch wichtig, dass jeder seine Stärken ausspielt, also dass jemand, der gerne rausgeht und eher investigativ unterwegs ist, diesen Part im Projekt übernehmen kann. Natürlich nach Absprache mit den Dozenten. Ansonsten ist das Zeitmanagement tatsächlich sehr wichtig. Wir hatten durch die vielen anderen Projekte definitiv ein zeitliches Problem. Man muss da also definitiv schauen, wie viele Projekte man parallel umsetzen kann. Es hat sich am Ende gelohnt, aber es war echt ein großer Workload. Und ansonsten würde ich jedem raten: Spaß haben, Leidenschaft für das Thema entwickeln und die Gruppe sollte gemeinsam hinter dem Projekt stehen, auch wenn mal etwas schiefläuft.

Vielen Dank für die Einblicke in Euer Projekt und weiterhin alles Gute und viel Inspiration für kommende Projekte!