Freier Redakteur bei Reuters: Lukas Kuite berichtet von seinem Einstieg in den Journalismus

Lukas Kuite hat sein Journalismus-Studium in Köln und Berlin absolviert. Nach ersten Erfahrungen bei Lokal- und Regionalzeitungen sowie beim Radiosender SWR4 hat er nun den Einstieg als freier Journalist bei der bekannten Nachrichtenagentur Reuters geschafft. Im Interview spricht er über die größten beruflichen Herausforderungen, seine Pläne für die Zukunft sowie gibt Studierenden praktische Tipps für ihren Einstieg in den Journalismus.

Lukas Kuite (25) ist jetzt als freier Journalist bei der Nachrichtenagentur Reuters tätig.

Lukas Kuite (25) ist jetzt als freier Journalist bei der Nachrichtenagentur Reuters tätig.

Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an die HMKW denken?

Praxisnahe Arbeit, Dozierende aus der Branche und schnelle Wege ins Berufsleben.

Sie haben den Studiengang B.A. Journalismus und Unternehmenskommunikation studiert. Als was arbeiten Sie nun?

Als freier Journalist bei der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin.

Konnten Sie zuvor bereits weitere Berufserfahrungen sammeln, von denen Sie uns gerne berichten würden?

Allgemeine Zeitung Namibia, Kölner Stadt-Anzeiger, Märkische Allgemeine Zeitung in Potsdam und Berliner Zeitung. Außerdem ein Praktikum beim SWR4-Radio in Stuttgart.

Zu welchem Zeitpunkt während des Studiums sind Sie auf Ihren Berufswunsch gekommen? Hat das Praktikum eine Rolle bei der Berufswahl gespielt?

Schon während meiner Schulzeit wollte ich Journalist werden. Die Gründe dafür waren zum einen mein politisches Interesse, zum anderen gute Noten und Spaß in den Fächern Deutsch und Geschichte.

Warum haben Sie sich damals für den Studiengang B.A. Journalismus und Unternehmenskommunikation entschieden? Und warum haben Sie sich für ein Studium an der HMKW entschieden?

Ich hatte nur einen Schnitt von 2,6. Die NCs auf Journalistik, zum Beispiel an der TU Dortmund, lagen bei 1,3 oder höher. Kommunikationswissenschaft hat meinem 18-jährigen Urteilsvermögen nicht getaugt. Ich wollte praxisnah arbeiten, und da hatte mich dann der Herr Ostler bei einer Jobmesse in Düsseldorf für das Studium an der HMKW begeistern können. Ein Studienkredit hat mir meine Entscheidung dann leichter gemacht. Bis heute bin ich froh darüber, an der HMKW studiert zu haben. Weil sich sonst nichts so ergeben hätte, wie bisher.

Welche Inhalte aus dem Studium finden sich in Ihrer Arbeit wieder bzw. helfen Ihnen dabei?

Ich arbeite hauptsächlich in der Redaktion. Dort recherchiere, schneide und vertone ich Online-Video-Beiträge für unsere Kunden. Ab und zu gehe ich auch als Assistent/Interviewer mit auf Termine und da kommt es dann auch mal vor, dass ich die zweite Kamera bedienen muss. Die Bedienung, ein Auge für Bildausschnitte zu haben und das Technische haben wir im Studium gelernt. Des Weiteren war es gut, journalistische Darstellungsformen drauf zu haben. Diese habe ich bei meinen Jobs bei Lokal- und Regionalzeitungen sofort umsetzen können. Außerdem hätte ich meine Chance bei Reuters höchstwahrscheinlich nie bekommen, wenn wir 2016 nicht mit der Uni eine Führung durch das Büro in Berlin gemacht hätten. Überhaupt zu „netzwerken“ und Kontakte zu pflegen, wurde uns auch beigebracht, was in dieser Branche sehr wichtig ist.

Bei Reuters vertont Lukas Kuite hauptsächlich Videos für Online-Kunden. Zu seinen Aufgaben zählen die Recherche, das Verfassen und Einsprechen des Textes sowie der Videoschnitt.

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich studiere nebenbei einen zweiten Bachelor (Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin). Diesen werde ich voraussichtlich 2021 abschließen. Danach will ich erst einmal ins Ausland. Reisen und Journalismus zu verbinden ist eines meiner Hauptziele für mein späteres Berufsleben. 2018 habe ich mit Stefan Ehrhardt (ebenfalls HMKW-Alumni) auf eigene Faust eine Doku über Nashorn-Handel in Namibia gedreht. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass es sich kaum wie Arbeit angefühlt hat. Und so soll es doch sein, oder? Auf diese Weise in Zukunft sein Geld zu verdienen, stelle ich mir extrem cool vor. Ich habe mit 20 schon angefangen, im Journalismus zu arbeiten. Was ich in den fünf Jahren gelernt habe, ist, dass Träume einen extrem voranbringen und pushen können. Was in fünf Jahren sein wird, werde ich aber trotzdem nicht sagen können. Solange man eine grobe Vorstellung von dem hat, was man machen will, ergibt sich der Rest eh von alleine. Eins steht aber so gut wie fest: Dass ich der Vollständigkeit halber einen Master im politischen Bereich draufsetzen werde.

 

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders und was stellt eine Herausforderung dar?

Der Anspruch bei Reuters ist es, zu 100 Prozent fehlerfrei zu sein. Das Motto, das mir von Tag 1 eingebläut wurde, lautet: „If in doubt, leave it out.“ Wenn es auch nur einen Hauch Zweifel an einer Quelle/Information/Aussage gibt, lösch‘ sie aus deinem Beitrag/Text heraus! Lupenreiner und quellentransparenter Journalismus: Diesen Anspruch habe ich auch an mir selber und an den Qualitätsjournalismus unserer heutigen Zeit. Die Digitalisierung hat auch viel Misstrauen mit sich gebracht. Die Medien hängen von den Informationen ab, die wir ihnen liefern. Und die Bürger von den Informationen der Medien. Wenn unsere Informationen nicht „on point“ sind, ergibt für mich das gesamte Mediensystem keinen Sinn mehr. Dann leben wir in einer Welt voller Fehlinformationen. Diese Verantwortung mit zu tragen, pusht einen jeden Tag aufs Neue, und: als 25-Jähriger bei Reuters arbeiten zu dürfen, erfüllt einen mit Stolz und Demut. Stolz und Demut können auch Motivation bedeuten.

Wie sind die Jobsuche und spätere Bewerbungsphase verlaufen?

Sehr gut.

Welchen Rat würden Sie neuen Studierenden geben?

Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren! Holt euch so früh wie möglich Joberfahrungen durch Praktika. Mit jeder weiteren Zeile im Lebenslauf erhöhen sich die Chancen auf bessere Positionen in angeseheneren Medienhäusern. In der Branche gibt es nur wenig Jobs, die gut bezahlt werden. Um dahinzukommen, muss man sich erstmal ordentlich anstrengen. Das dauert 1-2 Jahre, aber dann zahlt sich das Ganze auch finanziell durch einen guten Werkstudentenjob aus. Meine Formel lautet: Praktika – WerkstudentIn – Übernahme.

Welche Eigenschaften sollten Studierende aus Ihrem Studiengang haben?

Ehrgeiz, einen hohen Anspruch an sich selber und Demut. Arroganz bringt dich nur bedingt weiter. Habe vor Augen: Du bist ein Niemand. Deinen Status musst du dir erst erarbeiten.

Herr Kuite, herzlichen Dank für das spannende Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und alles Gute für Ihre Zukunft.