Absolventin erzählt vom Leben nach dem Studium

Annika Rach, 24 Jahre, ist Absolventin des B.A. Journalismus und Unternehmenskommunikation und hat von Oktober 2012 – September 2015 an der HMKW Berlin studiert. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen nach dem Studium. 

Annika Rach bei ihrer Arbeit im BAT Centre

Was machst du jetzt beruflich und wie hat dein Studium an der HMKW dich darauf vorbereitet?

Gleich nachdem ich meine Bachelorarbeit verteidigt habe, bin ich nach Durban, Südafrika, gegangen, um im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Weltwärts des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu arbeiten. 

Ich arbeite für das BAT Centre (Nichtregierungsorganisation) in Durban: ein kommunales Kunst- und Kulturzentrum, das lokale Künstler aus den ländlichen Regionen Kwa-Zulu Natals in den Bereichen bildende Kunst, Literatur, Musik und neue Medien fördert sowie allgemeine Bildungs- und Freizeit-Angebote für Jugendliche und Erwachsene im Programm hat. 

"Meine Ausbildung an der HMKW und verschiedene Praktika haben mich bestens für die Arbeit in der Presseabteilung der NGO vorbereitet"

Die Pressearbeit deckt etwa 40% meiner Arbeitszeit ab. Dabei geht es nicht nur darum, Pressemitteilungen zu versenden, Zeitungsartikel anzufertigen oder Interviews mit Künstlern zu führen; vielmehr geht es um die Weitergabe von Fähigkeiten. Ich halte regelmäßig Workshops für die Abteilung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, um sicherzustellen, dass die Pressearbeit nach meiner Abreise weitergeführt wird. Den Rest meiner Arbeitszeit verbringe ich mit dem Planen und Veranstalten von Events im BAT Centre, wie zum Beispiel den Workshops mit Flüchtlingsgruppen aus vorwiegend westafrikanischen Ländern. Im Mittelpunkt steht der kulturelle Austausch. Zusammen mit südafrikanischen Kunst- und Musikstudenten diskutieren wir mit den Geflüchteten kultur-politische Themen; schauen Filme oder erarbeiten beispielsweise Lebensläufe am Computer. Gerade befasse ich mich mit dem Thema "Medienberichterstattung" im afrikanischen Raum. Ich plane einen Workshop mit Jugendlichen, bei der es um die verschiedene Art und Weise von Medienberichterstattung geht: wie wird in Deutschland über Südafrika berichtet; welche Themen dringen aus Deutschland hierher und wie werden Themen aufbereitet. Ziel ist eine Vergleichsanalyse und die kritische Auseinandersetzung mit ausgewählten Zeitungen.

Neben meiner Anstellung im BAT Centre habe ich mit vier Freunden hier eine eigene kleine Kampagne gestartet. SHOEbuntu – make your first step! wurde im November 2015 ins Leben gerufen. Bei dem Projekt geht es um die Zusammenarbeit mit einer Grundschule in einem Township nahe Durban. Dank der Plattform "Startnext", welche ich durch eine Exkursion im Rahmen der HMKW kennengelernt habe, konnten wir innerhalb eines Monats etwa 2800 Euro "crowdfunden" und damit den gesamten Bedarf an neuen Schuhen für ca. 400 Kinder decken. Auslöser für diese Projektidee war ein Schulbesuch, bei dem mir auffiel, in welch schlechtem Zustand die Schuhe der Kinder waren. Gerade in Townships laufen Kinder oft täglich eine Stunde zur Schule und die Straßenbeläge sind schlecht. Nach einigen Anfragen von Grundschullehrern aus Deutschland versuchen wir derzeit eine dauerhafte Beziehung zwischen der „Silimela Primary School“ und einer deutschen Grundschule aufzubauen.

Warum hast du dich für den B.A. Journalismus und Unternehmenskommunikation entschieden?

Nachrichten jeglicher Art haben mich schon seit Grundschulzeiten interessiert. Da mein Vater ebenfalls im journalistischen Bereich arbeitet, habe ich von klein auf viel von Zeitungs- und Medienberichterstattung mitbekommen. Gerade das kreative Schreiben lag mir immer sehr. Nach meinem Abitur war ich mir jedoch nicht sicher, ob ich wirklich Journalistin werde und mein Leben lang schreiben und publizieren möchte. Auch Psychologie kam für mich damals in Frage. Mittlerweile weiß ich, dass ich keine Journalistin im klassischen Sinne werde, dennoch die Ausbildung als Plattform und Fundament sehr gut nutzen kann.

Wie war der Kurs an der HMKW?

Insgesamt bin ich mit der journalistischen Ausbildung an der HMKW sehr zufrieden. Gerade die Module Print-Journalismus, TV-Journalismus und natürlich die Wahlmodule Politologie sowie Soziologie haben mich zu meiner jetzigen Berufsplanung gebracht. Gerade in den sozialwissenschaftlichen Modulen wurde konstruktiv miteinander diskutiert. Toll war auch die ganz persönliche Betreuung von einigen Dozenten. Gerade Prof. Dr. Alban hat sich immer wieder nach der Vorlesung mit uns Studenten zusammengesetzt und individuelle Textanalysen angeboten.

"Als Journalist ist es wichtig, sich über sein Metier hinaus auszukennen und über den Tellerrand zu schauen."

Ebenfalls gut gefallen hat mir die Einbindung von Kursen, wie z.B. Volkswirtschaftslehre und Medienrecht. Gerade als Journalist ist es wichtig, sich über sein Metier hinaus auszukennen und über den Tellerrand zu schauen.

Während meines Studiums habe ich zwei Praktika absolviert, um mir über meinen weiteren Berufsweg klar zu werden. Ein erstes Praktikum habe ich während der vorlesungsfreien Zeit bei einem Radiosender in der Redaktion absolviert. Für mein Pflichtpraktikum habe ich drei Monate beim Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt gearbeitet, bei dem ich für die Planung und Umsetzung einer interkulturellen Veranstaltung verantwortlich war. Neben meinem Studium war ich als Werkstudentin bei der Deutschen Medienbeobachtungs Agentur GmbH in Kreuzberg im Bereich Pressespiegel tätig.

Was war das spannendste Projekt, an dem du je gearbeitet hast?

Definitiv das HMKW Gefängnisradio-Projekt in Zusammenarbeit mit der JVA Heidering. Mit einer übersichtlichen Anzahl von Studierenden haben wir zusammen mit zwei Hochschuldozenten und ausgewählten Insassen der JVA den gefängnisinternen Radiosender "Radio Prison Beat" ins Leben gerufen. Ziel war es, eine Freizeitbeschäftigung für die Häftlinge zu finden und ihnen nachhaltig journalistisches Handwerkszeug mitzugeben. Dabei ging es um das miteinander Lernen. Wir als Journalismus-Studierende konnten unsere erworbenen Fähigkeiten aus dem Modul "Radiojournalismus" weitergeben und so gemeinsame Sendungen mit den Teilnehmern produzieren. Der Austausch mit den Häftlingen war für mich persönlich sehr prägend und inspirierend.

Durch die Projektwochen an der HMKW konnte ich wichtige Kontakte knüpfen und wurde auch darüber hinaus zu Veranstaltungen und in den Bundestag eingeladen.

Das andere, wirklich spannende Projekt war die Zusammenarbeit mit dem ZDF während einer der HMKW-Projektwochen. Mit einem Team erarbeitete ich ein neues Sendekonzept für eine politische Talkshow. Auch über die Projektwoche hinaus konnte ich die geknüpften Kontakte zum ZDF nutzen. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit zum Thema "Inszenierungsstrategien bei politischen Talkshows in Deutschland" konnte ich einen maybrit illner-Redakteur für ein Interview gewinnen und ihn ausführlich befragen.

Was sind deine nächsten Schritte und Pläne für die Zukunft?

Ich kehre Ende August nach Deutschland zurück. Meine Arbeit in der internationalen Zusammenarbeit möchte ich gerne fortführen und auch in diesem Bereich nach meiner Ausbildung arbeiten. Folge dessen habe ich mich für ein Masterstudium im Bereich internationale Zusammenarbeit, Politik sowie Entwicklungsforschung beworben. Im Juli muss ich mich dann für einen Studiengang entscheiden.

Welche Eigenschaften sollten Studierende in deinem Studiengang besitzen?

Eigeninitiative: sich über sein Studium hinaus zu engagieren, Praktika zu absolvieren oder einem Werkstudentenjob nachzugehen.

Begeisterungsfähigkeit: sich auch für Dinge begeistern, die einen vielleicht nicht von Beginn an interessieren. Immer die Augen offen halten!

Kreativität: durch die halbjährlichen Projektwochen haben alle Studierenden an der HMKW die Möglichkeit, sich aktiv kreativ unter Beweis zu stellen. Durch die Projektwochen, wie z.B. mit dem Deutschen Bundestag oder dem ZDF konnte ich wichtige Kontakte knüpfen und wurde auch darüber hinaus zu Veranstaltungen oder in den Bundestag eingeladen.

Neuen Studierenden würde ich den Rat geben, sich nicht verrückt zu machen. Wie Goethe sagte: "Es irrt der Mensch, solang' er strebt". Wer wirklich weiß, was er will, wird sein Ziel irgendwann durch das Überwinden von Hürden erreichen.

Nenne drei Dinge, die du zum Kreativsein brauchst

Schokolade, Rotwein und Gewitter

Was sollten wir noch über dich wissen?

Berlin und die HMKW fehlen mir. Durch die klassenartige Atmosphäre während des Studiums sind enge Freundschaften entstanden. Ich komme wieder...

Und: wofür gibt es einen "letzten Drücker"? Zeitmanagement ist relativ. Vielen Dank für Ihre Geduld, Frau Alban und Herr Ziener ;)

Update: Seit Oktober 2016 ist Annika Rach bei der Deutschen Botschaft in Lusaka, Sambia, im Bereich Presse, Politik und Kultur beschäftigt.