B.A.-Arbeit macht Introversion mithilfe von Papier erfahrbar

Huong Nguyen beschäftigt sich in ihrer Bachelor-Arbeit mit dem Thema Introversion und verbindet dabei Grafikdesign mit Psychologie. Sie entwickelte ein taktiles Buch, mit dem Introversion erfahrbar gemacht werden soll.

Prototyp des Buches

Ziel von Nguyens Arbeit, die einen interdisziplinären Ansatz verfolgt und psychologische Theorien mitberücksichtigt, ist es, den häufig negativ konnotierten Begriff der Introversion positiv oder zumindest neutral zu besetzen.

Mithilfe eines speziell gestalteten Buches möchte die Absolventin des Studiengangs B.A. Grafikdesign und Visuelle Kommunikation den Lesern die Wahrnehmungswelten von introvertierten Menschen erfahrbar machen. Dazu nutzt sie taktile Papierinteraktionen, die auf emotionaler Ebene berühren sollen und eine Ergänzung zum erklärenden Text bieten. Die Arbeit lässt sich in den Bereich Experience Design einordnen, bei dem Erlebnisse gezielt geschaffen werden. Die Studentin setzte dabei den Fokus auf die haptische Wahrnehmung und entschied sich für die Verwendung von Papierinteraktionen, da Papier aufgrund seiner Materialbeschaffenheit eine Vielzahl von Interaktionen, wie etwa Falten, Rollen oder Reißen zulässt.

In einer qualitativen Studie untersuchte Huong Nguyen die Wirkung verschiedener solcher Interaktionen auf die Gefühle von Probanden und leitete daraus die konkrete Gestaltung der Papierinteraktionen für das Buch ab. Dabei dienen die konkreten Handlungsanweisungen im Buch der Erzeugung bestimmter Emotionen. Beispielsweise löst das Pieken durch Papier ein Gefühl von Stress und Überstimulation aus, dem introvertierte Menschen im Alltag häufig ausgesetzt sind.

Zudem evaluierte Nguyen in einer Vorher-Nachher-Befragung, inwiefern sich durch das Buch die Meinung der Probanden über introvertierte Menschen gewandelt hatte. Die Absolventin kann sich vorstellen, das Projekt zukünftig fortzuführen. Auch sei es denkbar, analog ein Buch aus der Sicht einer extravertierten Person zu gestalten.

Betreut wurde die Arbeit durch Prof. Dr. Jan-Henning Raff und Dr. Michael Minge.